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Bakterien fördern Erdöl (in VDI Nachrichten vom 16.6.2000) Der Artikel sagt (Zitate): "Benzin wird nach Einschätzung der IEA (Internationalen Energieagentur) in den kommenden Monaten wohl nicht billiger. In einigen Ländern wird Sprit bereits knapp. Da kommt ein neues Verfahren gerade recht mit dem sich die Erdölquellen besser ausbeuten lassen. ... Die Fördermengen (im Norddeutschen Becken, Anm.) lassen nach, eine Lagerstätte nach der anderen wird geschlossen, obwohl noch etwa 2/3 des Rohöls ungenutzt im Sandstein liegen. Mit einem neuen biologischen Verfahren aber, das ein Verbund von Forschungsinstituten und Erdölförderern entwickelt hat, ließe sich den Lagerstätten auf einfache Weise mehr des flüssigen Goldes entlocken..." " Die Anforderungen an die Bakterien sind hoch. Die Lagerstätten im Gifborner Trog enthalten Salz in Mengen bis zu 200 mg/l und sind bis zu 70°C heiß." "Unsere MIOR-Bakterien aber sind sozusagen eierlegende Wollmilchsäue" "Wir haben die Methode in der Lagerstätte Döbern in der Lausitz getestet und konnten die Produktivität des Feldes um 200% bis 500 % erhöhen", bemerkt der Experte." "Es konnten 50 % mehr Öl-Wasser-Gemisch gefördert werden als vorher, und der Wasseranteil sank von 80 % auf 50%." [dazu Zahlenbeispiel LBST: Wurden vorher 100g Gemisch gefördert, wovon 20 g Öl (20%) waren, so stieg die Förderrate auf 150 g Gemisch (+50%) mit einem Ölanteil von 75g (50 %). Dies entspricht einer Steigerung um etwa den Faktor 4 (von 20g auf 75g) oder um fast 300 %] Der Artikel suggeriert,
Der Artikel sagt nicht, daß die beobachtete Erhöhung der Förderrate nur am Ende eines Feldes erreicht wird, wenn ansonsten kaum noch Öl sprudelt. Die relative Erhöhung der Förderrate bezieht sich auf eine schon extrem kleine Förderrate, die im Vergleich zu den hohen Produktionsraten großer Felder vernachlässigbar ist, wie groß die Förderrate in dem beobachteten Feld in Döbern absolut ist und wieviel Öl mehr produziert werden kann, wie lange diese erhöhte Förderrate anhält. Es gibt gute Gründe anzunehmen, daß nur für eine kurze Zeit die erhöhte Produktion anhält, wie man das bei vielen EOR-Methoden beobachtet (siehe z.B. die Analyse der Produktionsrate des texanischen Yates-Feldes). Das schnellere Auspressen des Öls führt in der Regel dazu, daß der förderbare Inhalt schneller entleert wird, nicht jedoch, daß damit wesentlich mehr Öl gefördert werden kann, auf welche Felder diese Methode anwendbar ist. In der Regel sind EOR-Methoden nur bei alten Ölfeldern mit komplexer Geologie und entsprechend schlechtem Ausbeutefaktor erfolgreich anwendbar. Anscheinend ist in diesem Fall ein untypisch hoher Salzgehalt bei hohen Temperaturen erforderlich, daß mit Bakterien zur Erhöhung der Ölproduktion schon seit über 50 Jahren experimentiert wird, daß in den USA seit 1986 ähnliche Bakterien unter dem Namen "Para-Bac®" auf dem Markt sind. So z.B. konnte in einem Pilotversuch vor fast zehn Jahren in Texas mit diesen Bakterien die Förderrate einer Quelle von 7 bpd auf 20 bpd erhöht werden. Es ist jedoch nicht publiziert, wie lange diese erhöhte Rate anhielt. (Anmerkung: Große Ölfelder haben eine Förderrate von 50.000 bpd und mehr; Trotz dieser lange bekannten Verfahren geht die Ölproduktion in den USA immer stärker zurück), · daß im Rahmen des RUTH-Programmes (A Norwegian Research Program on Improved Oil Recovery) von 1992-1995 in Norwegen mit Bakterien zur Produktionserhöhung experimentiert wurde. Ungeachtet dessen sinken die Ölreserven Norwegens und wird das Produktionsmaximum spätestens im Jahr 2001 erwartet, obwohl die Regierung in ihren Prognosen das EOR- und IOR-Potential längst mit einrechnet. Fazit: Es handelt sich um eine Variante sogenannter EOR Maßnahmen (Enhanced Oil Recovery). Das in dem Artikel mit MIOR (=Microbial improved oil recovery) bezeichnete Verfahren wird in der Angelsächsischen Literatur mit MEOR (Microbial enhanced oil recovery) bezeichnet und ist seit langem bekannt. Es handelt sich hier nicht um eine neue Erfindung, welche einen großen Einfluß auf die globale Ölproduktion haben würde. Dies ist ein typisches Beispiel, wo ein Detail aus dem Zusammenhang gerissen und aufgebläht wird. Die beschriebene Maßnahme hat keinen Einfluß auf die globale Ölversorgungslage und deren Entwicklung. Alle diese Methoden sind nicht neu und seit langem im Einsatz. Kontinuierlich finden natürlich Verbesserungen statt. Dies ist jedoch "Alltagsgeschäft" in der Ölexploration und Förderung und hat gar nichts damit zu tun, daß man plötzlich mit ganz neuen Techniken die Ölförderung revolutionieren könnte. Anmerkung: EOR (=Enhanced Oil Recovery), weitere Informationen siehe unter "technologischer Fortschritt" |